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Die Geschichte des Landkreises Rogachev
1172 - 1940

Am 22. März 1777 wird Rogachev durch Erlaß der Zarin Katharina II. (1729 - 1796) Zentrum des Mogilewsker Landkreises.

1781 erhielt die Stadt ihr Wappen, ein schwarzes Horn auf einem goldenen Schild, die goldene Farbe steht für den in diesem Gebiet in großen Mengen produzierten Honig. (Abb. 13)
Zu dieser Zeit wurde beschlossen, auf dem Schloßberg an Stelle des Schlosses der Fürstin Bona eine neue Burg zu errichten. Die Pläne waren bereits fertigt und die im Wege stehenden Gebäude waren schon abgerissen worden, als die Pläne zum Neubau hier am Ort wieder aufgegeben und die Anlage in Bobruisk errichtet wurde. (Abb. 14)

Die günstige geographische Lage der Stadt war ein wesentlicher Faktor für die Entwicklung und den Aufschwung besonders der Forstwirtschaft und des Handwerks. Rogatschow war ein wichtiger Punkt auf dem Handelsweg entlang des Dnepr zwischen Mogilev und Kiev.

Der wirtschaftliche Aufschwung und die kulturelle Entwicklung der Stadt wurde durch den Einfall der Franzosen unter Napoleon Bonaparte unterbrochen.

Mit der Aufhebung der Leibeigenschaft im Jahre 1861 beschleunigte sich aber dann die Entwicklung kapitalistischer Tendenzen in Weißrussland. Rogachev begann wieder zu wachsen. (Abb. 15)

Ende des 19. Jahrhunderts war es den Juden nicht erlaubt, sich überall anzusiedeln. Rogachev gehörte zu den Orten, an denen es gestattet wurde. Die Folge davon war, daß etwa 60 % der Einwohner jüdischen Glaubens war. Einige von ihnen hatten es zu großem Wohlstand gebracht. Wassili Jolschin, ein adliger Jude mit recht großem Reichtum, ließ 1905-1909 in der Stadt einige große Gebäude errichten, die er dann der Stadt übereignete. Zwei von diesen Gebäuden gibt es noch heute, die Schule Nr. 2 und der Palast der Pioniere (Abb. 16). Das ebenfalls von ihm finanzierte und gebaute Kinotheater für 600 Plätze, für damalige Verhältnisse sehr groß, steht heute nicht mehr. (Abb. 17) Dieses Gebäude war ein kulturelles Zentrum, unter anderem trat auch Schaljapin hier auf.

Durch den Bau der Eisenbahnlinie Mogilev - Shlobin zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde dieses Wachstum erneut beschleunigt. Neue Bauten entstanden, so das erste Theater "Modern", eine gebührenpflichtige Realschule und ein Lehrerseminar. 1913 gab es in Rogatschov mehr als 50 Betriebe mit 185 Arbeitern.

Während des Bürgerkrieges nach der Oktoberrevolution kam es in Rogachev zu Kämpfen, die Stadt war zeitweise durch die polnische Armee besetzt.
In dieser Zeit druckte Rogachev eigene Briefmarken und eigenes Geld.

Im ersten 5-Jahrplan entstand in der Stadt eine Milchkonservenkombinat, eine Brotfabrik sowie ein Traktorenmaschinenwerk. Das bereits bestehende Sägewerk und die Kartonfabrik wurden rekonstruiert.

Mit dem Industriewachstum wuchs auch die Zahl der Bevölkerung.
Rogatschov wurde zum Industriezentrum:

  • 7 Kombinate,
  • 1 Fabrik,
  • 13 Produktionswerkstätten,
  • 4 Mittelschulen,
  • eine Grundschule und eine Hauptschule,
  • 8 Klubs,
  • 2 Bibliotheken und
  • ein Filmtheater.

Im Rahmen des Ausbaus der Stadt wurden im Zentrum zahlreiche teilweise noch heute bestehende Grünanlagen angelegt, die das Stadtbild prägten.

Abbildung 13

Abbildung 14

Abbildung 15

Abbildung 16

Abbildung 17

Der belorussische Landkreis Rogachev
© Jörg Müller