Deutsche Version / Russische version  

Die Geschichte des Landkreises Rogachev
1941 - 1945

Zu Beginn des 2. Weltkrieges betrug die Einwohnerzahl etwa 17.000.

Im Krieg kam es zu schweren Kampfhandlungen. Rogachev und Shlobin wurden befreit und mussten nach einem Monat wieder aufgegeben werden. Am 24. Februar 1944 wurde dann die Stadt endgültig befreit. Da für etwa 6 Monate die Frontlinie entlang des Flusses Drutj verlief, waren die Zerstörungen waren besonders groß, die Stadt musste sozusagen wieder neu geboren werden. Nur etwa vier Häuser überstanden den Krieg. (Abb. 20)

Kriegstagebücher der Einheiten um Rogachev.

Geheim

Kurzer Bericht über die Tätigkeit des in der Schlacht von Rogachev-Gomel 14. -19.09.41

Am 14.09 .41, 4.00 Uhr trat das LIII A.K.zum Angriff gegen den auf dem Westufer des Dnjepr bei Shlobin und Rogachev halten den Feind an. Vor diesem Angriff hatte das Korps in der Abwehrschlacht von Rogachev - Shlobin bereits seit dem 13.07.41 ständig sich wiederholende, an den verschiedenste Stellen des Korpsabschnittes geführte außerordentlich heftige feindliche Angriffe unter blutigen Verlusten des Gegners abgewehrt.

Der Erfolg dieser Abwehrschlacht war groß. Im Korpsbereich wurden 40 Offiziere und 11.446 Unteroffiziere und Mannschaften gefangen genommen. Dazu kommen noch die sehr hohen blutigen Verluste des Gegners, die auf 25.000 - 30.000 Tote und Verwundete geschätzt werden können. Die eigenen Verluste, 5.154 Gefallene, Vermißte und Verwundete, dazu 192 Offiziere, lassen die Schwere der Kämpfe erkennen.

Am 14.08.41 begann der Angriff gegen den Russen in seinen gut aufgeführten Feldstellungen. Das Korps hatte nur zwei Divisionen, 52. und 255. I.D., zur Verfügung. Die 255. I.D. war verstärkt durch ein verst. Regiment (verst. I.R. 467) der 267 I.D.. Die ursprünglich zum Korps gehörende 267. I.D. war bereits vorher (ohne I.R. 467) an das XXXXIII. A.K. abgegeben worden, ebenso die für einen Angriff über zwei starke Flußabschnitte, Drut und Dnjepr, meist übliche Unterstützung an Heeres-Artillerie (zwei schwere Abteilungen und eine Beobachtungabteilung), Pionieren und Bautruppen.

Am 14.08.41, 4.00 Uhr, trat der Südflügel des Korps (255. I.D. verst. durch verst. I.R. 467) zum Angriff auf Shlobin an. Der Angriff fand zunächst wenig Wiederstand des überraschten Gegners, der sich aber bald versteifte. Bereits am Festrand von Shlobin und in der .... schleife konnte der Feind erst unter Einsatz von Stukas nach hartem Kampfe geworfen werden. Bis zum Abend hatte die 255 I.D. mit verst. I.R. 467 in entschlossenem Angriff Shlobin vom Feinde gesäubert und das Festufer des Dnjepr erreicht. Nördlich Shlobin wurde der Dnjepr ebenfalls an verschiedenen Sellen gewonnen. Überall wich nunmehr der Feind vor der Front der 255. I.D. auf das Ostufer aus.

Am 15.08.41. 5.10 Uhr, trat auch der Nordflügel des Korps (52. I.D.) nach stärkster Artillerie- und Stukavorbereitung zum Angriff auf Rogachev beiderseits der Rollbahn an. Durch diese ebenso geschickte wie starke Vorbereitung gelang es der Vorausabteilung der Division, die Stadt schnell in die Hand der 52. I.D. zu bekommen. Bereits um 7.55 Uhr stand sie am Ostrand der Stadt. Durch kühnes Zupacken gewann sie auch die Brücken bei Rogachev unversehrt und sties unverzüglich auf der Rollbahn weiter nach Osten vor. Der Feind wich nach Osten und Südosten aus.

Der 255. I.D. gelang es nach heftigen feindlichen Widerstand vom Ostufer des Dnejpr aus erst am Nachmittag des 15.08. nach Vorziehen der Artillerie und erneuter Stukavorbereitung über den Fluß zu setzen und den Feind auf dem Ostufer teils zu vernichten, teils zu vertreiben.

Somit ist am Abend des 15.08. der Feind im ganzen Angriffsstreifen des Korps über den Dnjepr und Drut zurückgeworfen und durch das Vorgehen auf Thursk- Gadilowitschi der Kessel im Norden geschlossen worden.

Am 16.08.41 setzte das Korps den Angriff gegen den eingekesselten Gegner gegen die Linie Tscheuwerri - Star. Radnja (an Eisenbahn Shlobin - Gomel) - Swjakoje-Gorodjetz fort und schloß die Säuberung des Raumes zwischen Drut und Dnjepr ab. Die 255 I.D. überschritt mit Masse den Dnjepr und trat beiderseits den Eisenbahn Shlobin - Gomel zum Angriff nach Südosten in den Rücken ... Nordfront des XXXXIII.A.K. liegenden Feindes an.

Bei der 52 I.D. wurde der Bachabschnitt Tschernaja Tirnja- Gorodjetz nach anfangs schwachem Feindwiderstand überschnitten Bei der Säuberung der Wälder nördlich Rogachev zwischen Dnjepr und Drut wurde kein Feind angetroffen. Doch wurde die Division am Abend des 16.08 südlich Swjatoje - Ugly in Verfolgung des weichenden Gegners in harte Kämpfe verwickelt.

Am 17.08. setzte das Korps den Angriff bis zum Zusammentreffen mit XXXXIII.A.K. fort und säuberte das durchkämpfte Gelände. Durch den Angriff aus der Linie Tschetwerni - Ugli nach Süden wurdeder eingekesselte Feind gegen die Nordfront des XXXXIII.A.K. gedrückt und trotz zahlreiche Durchbruchsversuche zu erheblichen Teilen vernichtet. Dabei wurde das II./I.R. 285 der 112. I.D. befreit.
255. I.D. hatte beim Durchkämmen der Wälder westlich und südlich Star. Rodnja gegen sich verbissen wehrend Gegner zu kämpfen. 52 I.D. überschritt in schweren Kämpfen die Linie nordostwärts Star. Rudnja - Bhf. Szoltanowka. So stand am Abend des 17.08. die völlige Vernichtung des im Raum westlich und südlich Star. Rudnja noch eingekesselten Feindes vor ihrem Abschluß.

Am 18.08. setzte das Korps die Säuberung des Raumes zwischen Dnjepr und Linie Gorodjetz - Sababje fort und entsetzte dabei das von den Russen in Rudenka eingeschlossene II./I.R. 497 der 276. J.D. . Die Reste der versprengten Feindteile wurden vernichtet oder gefangen genommen. Unübersehbare Beute wurde geborgen. Stärkerer Feindwiderstand wurde nicht mehr geleistet. Somit haben die beiden Divisionen des LIII. A. K. am Abend des 18.08. einen vollen Sieg davongetragen.
Sie haben die 61. ,167. , 154. feindliche Schützen-Division, denen sie in einen fast 5wöchigen Abwehrschlacht gegenüberlagen, in harten Kämpfen restlos verrichtet. Der Feind wehrt sich teilweise zäh und verbissen und kämpft bis zu seiner völligen Vernichtung. Nur teilweise sah er die Zwecklosigkeit weiteren Widerstandes ein, weil eingekesselt, und ergab sich.

Das stolze Ergebnis dieser 5 Kampftage lassen nachfolgende Zahlen erkennen:
1) Gefangene: 95 Offiziere,
  4 Kommisser,
  21.367 Unteroffiziere und Mannschaften

2) Beute: 201 Geschütze, davon viel schwere und schwerste,
außerdem: 72 Pak,
  4 Schnellfeuerkanonen,
  3 Flak,
  7 s.J.G
  108 Granatwerfer
  92 s.M.G.
  99 l.M.G.
  4.077 Gewehre und Schnellfeuergewehre,
  1.200 Seitengewehre,
  33 Panzerwagen,
  12 Panzerspähwagen
  945 sonstige Kraftfahrzeuge (Räder- und Kettenfahrzeuge),
  866 Bespannfahrzeuge und Protzen,
  1.085 Pferde,
  1 Regimentsfahne und
  5 Flugzeuge

Demgegenüber sind die eigenen Verluste bei der Angriffs- und Verfolgungsschlacht gering gegenüber den Opfern bei der Abwehr: 408 Gefallene, Vermißte und Verwundete, dazu 13 Offiziere.
Zusammengerechnet waren die Opfer von insgesamt 5 562 Gefallenen, Vermißten und Verwundeten, dazu 205 Offizieren, im Vergleich zu dem bei der Härte des Gegners bisher wohl einmalig dastehenden Kampferfolg in dieser Schlacht nicht zu hoch

Der Komandierende General

Weisenberger
General der Infanterie

Quelle:
Abschrift des Original-Dokument im Bundesarchiv
Bundesarchiv - Militärarchiv, Postfach, 79024 Freiburg
Wiesentalstr. 10, 79115 Freiburg

Gefechtsbericht über die Zerstörung von Rogachev

Am 22.02.1944 erhielt der Korpspionierführer vom Armeepionierführer den Befehl, Rogachev gründlichst zu zerstören.
Hierzu werden 1 Heeres-Pi.Btl. am 23.02. früh nach Rogatchew zugeführt und die außer der vorhandenen noch notwendige Sprengmunition. Für die Zerstörung stehen 48 Stunden zur Verfügung, gerechnet ab 23.02. früh.Rogachev soll so lange gehalten werden.
Am 23.02. früh in Rogachev Einsatzbefehl an Hptm. S t r e i t, Führer des zugeführten Heeres-Pi.Btl.. Anschließend Meldungsbesprechung beim Kampfkomandanten von Rogachev, General B u s i c h. Bei der Besprechung sind anwesend:
- General Busich
- Obstlt. Kallinowsky
- Hptm. Streit und der
- Kdr. des im Nordteil der Stadt eingesetzten Rgt.

Bei dieser Besprechung wurde festgelegt:
Wie von der Armee befohlen, wird die Sprengung am Tage durchgeführt. Um die Sprengung zu verschleiern, wird Artl. angefordert. Das Abbrennen der Holzhäuser -fast ganz Rogachev bestand aus Holzhäusern- wird so organisiert, daß die Häuser zeitlich gleichzeitig mit den von Norden nach Süden und dann über den Damm und die große Drutbrücke zurückgehenden Truppen angezündet werden. Hierfür werden 2 Stunden angesetzt.

He.Pi.Btl. 746 erhält Befehl, in Laufe des 23.02 den Damm und die große Drutbrücke fertig zu laden. Da Rogachev noch 48 Stunden zu halten ist, ist die Zündung wegen Fliegergefahr erst am 24.02. anzubringen.
Die letzten Teile der Truppen des südöstlichen Brückenkopfes durchschritten Rogachev am 23.02. erst gegen Mittag. Die Flutbrücken und die große Dnjepr-Brücke wurden in der Zeit von 12.00 - 13.00 Uhr gesprengt. Feinddruck von Osten bestand nicht.
In den Mittagsstunden des 23.02. überzeugte sich der Armeepionierführer persönlich in Rogachev von den getroffenen Maßnahmen. Da in Rogachev nur verhältnismäßig wenig Steinhäuser und Industrieanlagen waren, deren Zerstörung an und für sich nicht viele Stunden in Anpruch nahm und Hptm. Streit meldete, daß er mit diesen Vorbereitungen bis 16.00 Uhr fertig sein könnte, wurde von der Armee erwogen, Rogachev am 23.02. zu räumen. Da durch die Kämpfe die Nachrichtenübermittlung sich stark verzögerte, andererseits bei einer schnellen Räumung der gesamte Zeitplan neu abgestimmt werden mußte, konnte die Sprengung der Objekte erst um 20.30 Uhr befohlen und durchgeführt werden. Auch die große Straßenbrücke über den Drut mußte nun in der Nacht zündfertig gemacht werden, was an und für sich für den nächsten Tag vorgesehen war. Beginn der Absetzbewegung daher um 23.30 Uhr. Für die Absetzbewegung durch Rogachev hindurch einschl. des Abbrennens der Häuser waren 2 Stunden vorgesehen. Um das zugeführte Heeres-Pi.Btl. beim Abbrennen zu unterstützen, wurde diesem noch die nördl. Rogachev freigewordene 2 Kp. des Bau-Pi.Btl. 11 sowie Restteile des Heeres-Pi.Btl. 746 zum Abbrennen der Häuser zur Verfügung gestellt. Beide Kp. des Bau-Pi.Btl. 11 haben jedoch bei dieser Angabe versagt. Die Reste des Heeres-Pi.Btl. 746 vermiente ausserdem den Eisenbahndamm westlich und ostw. der Eisenbahnbrücke.

Kurz nach Beginn der Absatzbewegung hatte der Feind unbemerkt den Süden und Osten der Stadt Rogachev erreicht, wodurch eine Verwirrung fast aller sich noch in Rogachev befindlichen Truppen entstand. Da die für den Fall einer vorzeitigen Zerstörung der Straßenbrücke über den Drut vorgesehene und zu diesem Zweck ausgebaute Eisenbahnbrücke schon gegen 20.00 Uhr gesprengt war, mußten die sich noch in Rogachev befindlichen Teile zu der sich im Südwesten der Stadt befindlichen Straßenbrücke durchkämpfen. Versuche von Fahrzeugen, den zugefrorenen Dnjepr zu überschreiten, mißlangen. Zudem kam, daß teilweise der Schutt der gesprengten Häuser Teile der Straßen versperrte und eine Umleitung der ortsfremden Truppen in der Nacht unter Feindeinwirkung nicht möglich war.

Als anzunehemen war, das sich in Rogachev keine deutschen Soldaten mehr befanden, wurde durch das He.Pi.Btl. 746 der sich nordostwärts der Brücke befindliche Damm und die große Straßenbrücke über den Drut am 24.02. um 3.00 Uhr auf Befehl des Kampfkommandanten gesprengt. Die Sicherungen zogen sich dann über den zugefrorenen Drut auf das Westufer zurück.

Die Zerstörung der Steinhäuser und Industrieanlagen in Rogachev sowie der Eisenbahnbrücke (durchgeführt durch 8./Eis.Pi.Rgt.5, Oblt.Börffel) und der Straßenbrücke Rogachev waren vollständig. Rogachev selbst brannte bis in die Morgenstunden hinein, doch ist ein großer Teil der Holzhäuser unversehrt geblieben.

Quelle:
Abschrift des Original-Dokument im Bundesarchiv
Bundesarchiv - Militärarchiv, Postfach, 79024 Freiburg
Wiesentalstr. 10, 79115 Freiburg

Die Befreiung Belorußlands Juni-Sept.1944 (Abb. 21)

Lage vor der sowj. Sommeroffensive 1944 (Abb. 22)

August 1944 (Abb. 23)

rogachever Offensive 1944 (Abb. 24)

Die Smolensker Operation Juli/Sept. 1941(Abb. 25)

Abbildung 20

zum vergrößern anklicken
Abbildung 21

zum vergrößern anklicken
Abbildung 22

zum vergrößern anklicken
Abbildung 23

zum vergrößern anklicken
Abbildung 24

zum vergrößern anklicken
Abbildung 25


Der belorussische Landkreis Rogachev
© Jörg Müller